Der Blog aus Berlin

Meinungen und Gedanken aus dem politischem Alltag Ihres Bundestagsabgeordneten Thomas Jarzombek.

PID – meine Entscheidung heute im Bundestag

Heute hat der Deutsche Bundestag beschlossen, die Präimplantationsdiagnostik (PID) in engen Grenzen zuzulassen. Auch ich habe für die Initiative der Kollegen Hintze und Flach gestimmt.

Dabei ist mir die Entscheidung alles andere als leicht gefallen. Ich habe die letzten Wochen und Monate genutzt, immer wieder neu über diese Frage nachzudenken. Ich bin beeindruckt von der Menge an Zuschriften, die ich zu dem Thema erhalten habe, teilweise mit sehr bewegenden persönlichen Erfahrungen.

Maßstab für meine Entscheidung war immer die Frage, was das Richtige für das Leben ist. Dabei haben mich persönliche Schilderungen erreicht von jungen Paaren, bei denen die Pränataldiagnostik (PND) ergeben hat, dass ihr Kind kaum Überlebenschancen hat oder an einem Syndrom wie dem Down-Syndrom leiden würde. Dabei wurde mir in einem Fall auch sehr detailliert geschildert, wie eine späte Abtreibung durch die Gebärmutter erfolgte und ein totes Kind zur Welt gebracht wurde. Ich finde das einfach furchtbar und wusste von dem Zeitpunkt sicher: So etwas gilt es zu verhindern.

Ich sehe daher die jetzigen Regelungen zu Abtreibungen, insbesondere solchen späten Abtreibungen, sehr kritisch. Die Frage nach Leben in einer Petrischale ist eine recht abstrakte Definition von Leben. Aber ein toter Embryo, der nach einer Spätabtreibung auf dem Tisch liegt, ist hingegen sehr konkret. Und eine Situation, die ich schrecklich finde. Was spricht also dagegen, eben solchen Eltern zu helfen? Speziell dann, wenn eine Erbkrankheit vorliegt und möglicherweise auch schon eine oder gar mehrere Totgeburten vorangegangen sind? Ich fände es grausam, diesen Paaren den Zugriff auf die PID mit dem Strafgesetzbuch zu verbieten. Und in der konkreten Abwägung von Leben in der Petrischale zu dem Leben eines Embryos habe ich mich heute für das Leben des Embryos entschieden – genau diese Abwägung galt es hier zu treffen.

Was für mich ganz zentral ist: Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein und kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, dass Mütter immer wieder und wieder die Tragödie von Totgeburten erleiden müssen, obwohl dies per Frühdiagnose PID vermeidbar gewesen wäre.

Natürlich ist die Argumentation richtig, dass man Fehler im Abtreibungsrecht nicht durch Entscheidungen bei der PID heilen kann. Doch muss ich mich am Ende der Wirklichkeit stellen und diese sieht so aus, dass heute über PID abgestimmt wurde, aber niemand das Abtreibungsrecht aufgerufen hat. Daher wäre eine isolierte Betrachtung weltfremd. Dies gilt im übrigen auch beim Urteil über Paare, die sich bei der pränatalen Diagnose eines Down-Syndrom zur Abtreibung entscheiden. Ich vermag dies nicht zu beurteilen aus einer rein theoretischen Situation heraus und kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie schwierig eine solche Entscheidung sein mag. Fakt ist, dass sich über 90% der Paare mit einer solchen Diagnose für eine Abtreibung entscheiden, mit all den oben dargestellten Folgen.

Ein Aspekt ist mir am Ende noch wichtig: Ich möchte mehr Leben in unserem Land. Und wenn ein Verbot der PID dazu führt, dass sich Paare mit Erbkrankheiten gegen das Risiko einer Schwangerschaft entscheiden, so ist dies auch eine Entscheidung gegen das Leben.

Ich verstehe die Kritik und Sorgen der Kollegen sehr gut, die heute für ein vollständiges Verbot der PID gestimmt haben und nehmen diese Argumente sehr ernst. Dennoch glaube ich, dass ich selbst wie auch der Deutsche Bundestag mit Mehrheit heute die richtige Entscheidung getroffen haben.

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