Der Blog aus Berlin

Meinungen und Gedanken aus dem politischem Alltag Ihres Bundestagsabgeordneten Thomas Jarzombek.

Maklerprovisionen: Wie wäre es denn mal halbe/halbe?

Wenn Mieten steigen und Wähler unzufrieden sind, dann bereitet sich der Nährboden für politischen Handlungsdruck. Doch warum sollen Makler zu 100% von Mietern gezahlt werden? Das ist genauso unlogisch wie das Gegenteil: sie zu 100% von den Vermietern zahlen zu lassen.

Ein Plädoyer für die Begrenzung der Maklergebühren bei Mietern. Auf eine Monatsmiete.
Die Mietpreise in manchen Städten sind hoch. Verdammt hoch. Und sie steigen weiter. Was die Eigentümer freut, sorgt all diejenigen, die sich gedanklich schon bei der Suche einer neuen Mietwohnung sehen. Ein Problem? Oder Zeichen einer attraktiven Stadt?

Eigentlich sind steigende Mieten etwas gutes. Sie sind ein Zeichen, dass eine Stadt funktioniert, attraktiv ist und sich daher großer Beliebtheit erfreut. Es gibt auch ganz andere Gegenden in Deutschland: wo Mieten einbrechen, Wohnungen unbewohnt bleiben und der demographische Wandel voll zuschlägt. Wer dort jahrzehntelang auf eine Eigentumswohnung als Altersvorsorge gespart hat, bekommt ein echtes Problem. Selbst über den Rückbau von Straßenzügen zur Vermeidung von Leerstand und Kriminalität wird diskutiert. Also: Steigende Mieten sind die Kehrseite der gelungenen Entwicklung einer Stadt, die an Attraktivität gewinnt.

Viel Provision – nur um ein paar Fotos ins Internet zu stellen?

Doch diese Betrachtung wird sicher von denjenigen ganz anders gesehen, die derzeit auf der Suche nach einer Mietwohnung sind. Und oben drauf kommen dann auch noch Maklergebühren von 2,38 Monatsmieten. Auch ich habe mich schon sehr geärgert, bei all den Kosten eines Umzugs am Ende auch noch eine üppige Zahlung an den Makler vornehmen zu müssen. Wofür eigentlich? Viel Geld – nur um ein paar Bilder ins Internet zu stellen?
Das kann so sein. Muss es aber nicht. Wer schon einmal versucht hat, eine Wohnung selbst zu vermieten, wird sich eher in einem Haifischbecken als netten Karpfenteich wiedergefunden haben. Die Sitten sind verroht: Viele Leute halten sich gleich mehrere Wohnungen offen, werden „ganz sicher morgen unterschreiben“, brauchen nur noch „grad ein paar Unterlagen“ oder haben es sich „dann doch nochmal anders überlegt“, weil irgendwo anders der Nachbar doch keinen Hund hatte.

Wo ist eigentlich der Wettbewerb, wenn jeder Makler den gleichen Preis nimmt?

Der Aufwand kann also erheblich sein. Wer seine Wohnung, gedacht als Altersvorsorge, neben einem erfüllten Job vermieten will – der lernt die Dienste eines Maklers zu schätzen. Doch warum soll dann gerade der Vermieter zahlen? Eine berechtigte Frage. Und eine noch bessere Frage: Wo ist eigentlich der Markt? Wenn jeder Makler den gleichen Preis nimmt, dann ist das ein sicheres Indiz für mangelhaftem Wettbewerb.
Daher möchte ich die Diskussion um einen weiteren Vorschlag anreichern: Wie wäre es, wenn maximal eine Monatsmiete auf den Mieter umgelegt werden dürfte?
Eine Sorge, die nicht zuletzt mein Kollege Dr. Jan-Marco Luczak gestern in der „Welt am Sonntag“ beschrieb, ist sehr nachvollziehbar: Wenn die gesamte Provision vom Vermieter getragen werden muss, dann wird er diese mit Sicherheit auf die Mietkosten umlegen. Wer schnell wieder wegzieht, muss damit kein Problem haben. Wer aber lange wohnen bleibt, zahlt drauf. Und wenn zu einem Stichtag kein Makler mehr vom Mieter bezahlt werden darf, werden sicher viele Vermieter anfangen umzulegen. Wenn es dann „sowieso alle machen“, verschlechtert der Vermieter seine Wettbewerbsposition damit ja auch nicht zu konkurrierenden Wohnungen.

Jeder eine Monatsmiete

Warum also nicht die Hälfte? Wenn die Maklerprovision auf Mietseite auf eine Monatsmiete begrenzt würde, gebe es einen sofortigen Effekt: Mieter würden nur noch die Hälfte zahlen. Was aber passiert mit dem Rest?
Nun, der Vermieter würde sich überlegen, ob er nicht einen Makler findet, der es günstiger macht als bisher. Denn sollte der Makler insgesamt nur eine Monatsmiete an Provision nehmen, müsste der Vermieter ja weiterhin keinen Anteil leisten und folglich nichts auf die Miete umlegen – seine Wohnung würde damit konkurrenzfähiger werden. Zumal er ja damit rechnen muss, dass auch andere Vermieter mit ihren Maklern gut verhandeln und Wohnungen in der Nähe ohne Umlage auf den Markt bringen.
Sicher wird es auch noch Lösungen dazwischen geben. Beispielweise, indem der tatsächliche Aufwand in Rechnung gestellt wird. Unterschreibt gleich der erste Interessent oder ist auch der fünfte inzwischen abgesprungen? Dass moderate Zuschläge dann zu einer Steigerung der Mietkosten führen, fällt mir schwer zu glauben.
Aus meiner Sicht muss das Ziel mehr Wettbewerb sein. Wettbewerb hilft den Kunden – sowohl den Mietern wie auch den Vermietern. Es wird also Zeit, mehr Wettbewerb in den Maklermarkt zu bringen, statt von einem Extrem in ein anderes zu verfallen.

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